Kapitel 02

Good to Know

Was wenige wissen
4 Min. LesezeitAktualisiert: März 2026
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RB Leipzig ist ein vom österreichischen Red Bull Konzern kontrollierter Fußballverein. Das ist hinlänglich bekannt. Wie der Brausekonzern es geschafft hat, die 50 +1 Klausel im DFL-Regelwerk formal einzuhalten und dennoch den Verein RB Leipzig so zu kontrollieren, wie das sonst nur der Bayer-Konzern in Leverkusen oder Volkswagen in Wolfsburg können, ist clever und weniger bekannt.

Auf dem Weg in die Fußball-Bundesliga haben die Köpfe hinter dem RBL-Coup geschickt die Lücken im Regelwerk von DFB und DFL umschifft. Zwischen dem letzten Heimspiel des damaligen Aufsteigers in der 3. Liga gegen den Ex-Bundesligisten 1. FC Saarbrücken (5:1) und der endgültigen Erteilung der Lizenz für die 2. Bundesliga liegen Anfang Mai 2014 zwölf Tage des Wartens. Am 15. Mai 2014 erteilt die Deutsche Fußball-Liga (DFL) dem „Dosenclub“, wie das Red Bull Fußball-Franchise auch abfällig genannt wird, die Lizenz. Mit Hilfe des Staranwalts Christoph Schickhardt gelingt es RBL, die „Eintrittskarte ins Fußball-Establishment“ zu lösen, so schreibt der Autor Ulrich Kroemer in seinem Buch RB Leipzig – Aufstieg ohne Grenzen(Verlag DIE WERKSTATT, 2016). Wie? RB Leipzig, verpflichtet sich, zwei der ursprünglichen Forderungen von DFL/DFB zu erfüllen. Es sind dies zum einen die Änderung des Wappens zur weiteren Abgrenzung vom Red Bull Logo und zum anderen die Besetzung der Führungspositionen mit vom Hauptsponsor unabhängigen Personen. „Durch die verbindliche Erklärung, seine Gremien künftig mit mehrheitlich unabhängigen Persönlichkeiten zu besetzen…sowie das bisherige Logo mit Blick auf die Anforderungen der UEFA zu verändern, hat der Klub die wesentlichen Voraussetzungen des Lizenzierungsausschusses erfüllt… Einer Lizenzierung steht daher nichts mehr im Wege.“ So heißt es in der aus Frankfurt nach Leipzig übermittelten Bestätigungsnachricht zur Lizenzerteilung.

Wenige Tage vor Erteilung der Lizenz für die zweithöchste deutsche Fußball-Liga hat RB-Eigentümer Dietrich „Didi“ Mateschitz einen von Mitgliedern geführten Verein noch strikt abgelehnt. Der Getränke-Milliardär droht sogar, die frisch ausgehobene Baugrube für das Trainingszentrum am Cottaweg wieder zuzuschütten und „RB zu begraben.“ Doch mit den eher schwachen Auflagen der DFL kann der Alpen-Milliardär leben. Und schon ist man „drinne“, wie man in Leipzig sagt. Sportrechtler sehen die RBL-Lizenzierung bis heute als Coup. „Was RB Leipzig macht, ist zwar trickreich, aber zulässig“, sagte der Jurist Dr. Michael Lehmer unmittelbar nach der Lizenzierung. „Leipzig hat einfach immer wieder die Lücken des Regelwerks gut ausgenutzt“, bescheinigt auch der Düsseldorfer Jurist Dr. Paul Lambertz dem „Bullenclub“ eine ganz besondere Cleverness gepaart mit Chuzpe. Seine Meinung bis heute: „Anfangs war es wohl den DFL-Verantwortlichen gar nicht bewusst, dass es diese Schwächen gibt.“

RB Leipzig ist die Kopie und RB Salzburg das Original, mit dem der Brausemilliardär den Fußball im deutschsprachigen Raum dominieren und – wenn es nach den Fußballromantikern geht – nachhaltig beschädigen will. Und der Erfolg von RB Leipzig und RB Salzburg ist alleine auf die massive Zufuhr von Geld durch den Brausemilliardär zurückzuführen. Mit dem nötigen Kleingeld nichts Besonderes und leicht kopierbar. „Bimbes makes the world go round“.

So wird es in Fankurven erfolgloser Traditionsvereine und in romantisierenden Fußballtraditionen verhafteten deutschen Medien gerne holzschnittartig erzählt. Kaum gewürdigt wird, dass hinter dem fußballerischen Erfolg der RB-Teams nicht nur Geld steckt, sondern eine ausgefeilte Strategie. Ein wichtiges Element dieser Strategie ist dabei die Jugendakademie von Red Bull im österreichischen Liefering. Weitere Bausteine sind die Förderung eines ganz speziellen Red Bull Spielsystems und der intelligente Einsatz moderner Technologien bei Training, Spielanalyse und Rekonvaleszenz der Spieler. Fußball für das 21. Jahrhundert eben…

RB Leipzig Gründung Markranstädt Stadion am Bad 2009
Abb.1.5.2 Das „Making of" von RB Leipzig ist perfekt. Am 2. Juli 2009 präsentiert der neu gegründete „Red Bull-Klub" sich und seine ersten Neuzugänge im Stadion am Bad in Markranstädt. Foto: Imago Images / Picture Point

Die fußballerische Spielphilosophie von Red Bull sei dabei in Stein gemeißelt und jeder einzelne Trainer, jeder einzelne Mitarbeiter und jeder einzelne Spieler agiere nach dieser Spielidee. So drückt es Manfred Pamminger, Geschäftsführer des FC Liefering, dem Farmteam von RB Salzburg, auf redbull.com aus.10 „Das Red Bull System basiert auf Pressing, Gegenpressing und dem schnellen Umschalten, das die Spieler verinnerlichen müssen,“ so Pamminger weiter.

Perfektioniert werden solle dieses Spielsystem durch einen Hightech-Komplex mit sechs Fußballfeldern, Fußballhalle, Kraftkammer, Athletikraum und Motorikpark, Sensoren, die Tag und Nacht Daten sammeln und die auf Servern gespeichert und von Computerprogrammen aufbereitet werden. 11

Der Athletikraum - Mit einem speziellen Sprint-Trainingsgerät, bei dem sich Spieler Gürtel um das Becken schnallen, die über ein Seil mit einer computergesteuerten Hightech-Seilwinden verbunden sind, und gegen einen exakt einstellbaren Widerstand anrennen, soll das Sprinttraining verbessert werden. Der Trainer kann individuelle Leistungskurven in Echtzeit am Laptop analysieren und weiß nach wenigen Läufen, bei welchem Widerstand ein Spieler maximale Kraft hat, wann er seine Höchstgeschwindigkeit erreicht, wie lange er diese halten kann, und welcher Fuß mehr Kraft auf den Boden bringt. Alle Daten werden in einer Datenbank archiviert. Der Leistungsfortschritt eines Spielers kann über Jahre nachvollzogen werden.

Der High-Tech-Kraftraum mit Video-Workout - Direkt neben einer Laufbahn stehen 13 Arbeitsstationen für das Krafttraining. Spieler können sich via Tablet einloggen, ein individuelles Programm befolgen und Feedback von Computer und Trainer erhalten. Auf jeder Station ist ein Computer montiert, der mittels Infrarotkameras und Tablet das Training überwacht, Daten sammelt und in ein Netzwerk speist. Athletiktrainer können über eine Software vom Büro aus in Echtzeit individuelle Workouts erstellen.

Anti-Schwerkraft-Laufbahn - Dank einem Anti- Schwerkraft-Laufband soll die Rekonvaleszenzzeit nach einer Verletzung in der Red Bull Akademie schneller gelingen. Mit dem ursprünglich für Astronauten entwickelten Trainingsgerät können verletzte Spieler schon früh wieder in die Vorbereitung einsteigen.

Soccerbot 360 - Sechs Beamer projizieren Computerbilder an die Wand, zum Beispiel Fußballtore, die Spieler unter Zeitdruck mit Pässen treffen müssen. Schneller denken lernen, Prozesse verarbeiten und Blickverhalten trainieren. Das sind wesentliche Ziele. Eine Highspeed-Kamera ermittelt, wie schnell, scharf und genau gepasst wird. Oder wie oft der schwache Fuß zum Zug kommt. Aufgenommene Spielszenen eines Trainings oder Matchs lassen sich an die Wand projizieren und nochmals erleben. In einer Art virtuellem Replay können Pass- und Laufwege gezeigt und verbessert werden. Die Positionsdaten für diese Big-Data-Berechnungen sammelt ein Local-Position-Measurement-(LPM-) System.

LPM Indoor und Big Data - Auf dem Kunstrasen der 6000 Quadratmeter großen Halle in Liefering sammelt das nach Angaben von Red Bull exakteste Sport-Tracking-System der Welt über acht Basisstationen die Positionsdaten aller Spieler und des Balls auf dem Feld. Mindestens 25-mal pro Sekunde. Kombiniert man diese Rohdaten erhält man genaue Anlauf-, Highspeed- und Abbremsmeter der Spieler, aber auch technische und taktische Werte wie Passquoten und Ballbesitzzeiten. Biometrische Daten können mit dem System ebenfalls gesammelt werden, etwa Herz- und Atemfrequenz oder die Hauttemperatur der Spieler. 12

Über dem Haupteingang der im September 2014 eröffneten Akademie in Liefering steht der Fußballclaim der Akademie: ENTER THE NEXT LEVEL. Nichts für „Blut, Schweiß und Tränen“-Romantiker aus dem Kohlenstoffzeitalter des Fußballs….

Alle Kapitel: 01. Prolog 02. Good to Know 03. Für die Hater 04. Für die Lover 05. Schlüsselfiguren 06. Personae Non Gratae 07. Tragisch 08. OMG — Oh My God 09. Fun Facts 10. Special Moments 11. Weise Worte 12. Steckbrief [Annex]
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