OMG — Oh My God
Dass den „Roten Bullen“ vor allem bei Auswärtsspielen nicht nur Ablehnung, sondern blanker Hass entgegenschlägt, gehört zu den Begleiterscheinungen im deutschen Fußball. Vor allem für einen „Traditionalisten“ unter den deutschen Großklubs ist die erste Begegnung vor heimischer Kulisse gegen RB Leipzig speziell...
Dortmund und die gelbe Wand der Schande: „Sündenbock der Fußballnation – Vom ersten Auftritt 2009 an wird RBL von gegnerischen Fanszenen geächtet“, schreibt der Autor Ulrich Kroemer 2016 in „RB Leipzig – Aufstieg ohne Grenzen“, „bisweilen kreativ, viel zu oft dumpf, reflexhaft und unter der Gürtellinie, manchmal gar gewalttätig. Im siebten Jahr des Vereinsbestehens hat die Vehemenz abgenommen.“ Irrtum. Was am 4. Februar 2017 auf die Leipziger Profis und ihre gut 6.000 Fans im Dortmunder Signal Iduna Park niederprasselt, ist jenseits von Anstand, Moral und Fankultur. Hass-Plakate, die mitunter menschenverachtend daherkommen, Jagdszenen rund um den sonst so stimmungsvollen Fußballtempel. Der DFB reagiert und sperrt die berühmte Dortmunder Südtribüne („Gelbe Wand“) für ein Spiel. Gegen Wolfsburg ist das Epizentrum der Dortmunder Fußballbegeisterung, wo gegen Leipzig die schlimmsten Parolen zu lesen sind, menschenleer.
Sprüche, nichts als Sprüche: RB Leipzig – Das ist eines der ehrgeizigsten Projekte des deutschen Fußballs – aber manchmal auch Motivations-Seminar auf Red Bull! Jürgen Klinsmann führt sich 2008 beim FC Bayern als Coach mit Buddha-Figuren auf dem Dach ein, Julian Nagelsmann greift 2019 bei RB als neuer Coach in die Sprüchekiste. Er lässt das Trainingsgelände am Cottaweg mit Zitaten berühmter Persönlichkeiten regelrecht tapezieren. „Gewinnen ist nicht alles, es ist das einzige“, ein Spruch von Football-Trainer Vince Lombardi ist ebenso zu lesen wie „Mache jeden Tag zu deinem Meisterstück“ von Basketball-Coach John Wooden. Damit knüpft er an seine Vorgänger Ralf Rangnick und Ralph Hasenhüttl an, die ebenfalls zu dieser Form der Motivation auf dem Trainingsgelände greifen.
Der verhinderte Fair Play-Preis: RB ist am bis dato letzten Spielabbruch eines DFB-Pokalspiels beteiligt und profitiert davon. Denn bei Drittligist VfL Osnabrück liegen die damals zweitklassigen Bullen am 10. August 2015 bis zur 71. Minute mit 0:1 zurück, ehe ein Feuerzeug Schiedsrichter Petersen am Kopf trifft und der unter Schmerzen das Feld verlässt. Er kommt an diesem Tag nicht mehr zurück – Abbruch. Noch vor der Sportsgerichtsverhandlung bieten die Bullen ein Wiederholungsspiel an, sie wollen ein fast verlorenes Spiel nicht am Grünen Tisch gewinnen. Aber für noble Gesten ist der DFB nicht zu haben, wenn die Rechts- und Verfahrensordnung dagegenspricht. „Würden wir auf dieses Angebot eingehen, so wäre dies gleichbedeutend mit dem Verlust jeder Rechtssicherheit. Die Gestaltung eines Wettbewerbs kann nicht vom Goodwill einzelner Vereine abhängig sein", sagte der Vorsitzende Richter Hans E. Lorenz. So kommt RB kampflos weiter und nicht zu der Ehre, dem Fair Play gedient zu haben, obwohl sie es wirklich versucht haben.
Zoff ums zlatanische Trikot: Leipzig, 18. Juli 2014. Mit Paris St.-Germain stellt sich erstmals ein internationaler Top-Klub bei den „Roten Bullen“ vor. Der Zweitliga-Aufsteiger überrascht beim 4:2 (1:1)-Erfolg bei Bullenhitze. PSG-Superstar Zlatan Ibrahimovic spielt nur eine Halbzeit, löst aber dennoch beinahe eine handfeste vereinsinterne Krise aus. Nach der Pause bittet ihn Daniel Frahn um das edle Zlatan-Trikot. Der Schwede winkt ab und deutet an, dass er das Jersey schon Terrence Boyd versprochen habe. Der US-Amerikaner kassiert das Shirt ein. Frahn ist noch nach dem Abpfiff angefressen: „Respekt gibt es anscheinend nicht mehr.“ Zlatan lässt sich nicht lumpen. „Ich habe gehört, dass der Kapitän wegen des Trikots wütend ist. Ich habe noch ein zweites dabei, das kann er gerne bekommen“, gibt sich der Meister des zlatanischen Fußballs generös.
